Kulturreferentin Lydia Hartl: "2005 – Ein Erfolgsjahr für das NS-Dokumentationszentrum!"
09.12.2005
Pressemeldung vom 09.12.2005
In seiner Sitzung am 08.12.2005 hat der Kulturausschuss des Münchner
Stadtrats die personelle und finanzielle Basis für die zügige
Vorbereitung des NS-Dokumentationszentrums gelegt: Ein Team von 3
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, unterstützt von einer
Verwaltungskraft, soll in Zukunft Beiräte und Kuratorium bei der
Konzeption und Realisierung des NS-Dokumentationszentrums unterstützen.
Diese einstimmige Entscheidung des Kulturausschusses muss noch durch
die Vollversammlung am 14.12.06 bestätigt werden.
Damit findet eine ganze Reihe von positiven Entscheidungen zum
NS-Dokumentationszentrum in diesem Jahr ihren vorläufigen Abschluss:
Nachdem die Stadt schon seit 2001 auf die Errichtung eines
NS-Dokumentationszentrums hinarbeitet und sich seit 2003 bereit erklärt
hatte, nach einer gemeinsamen Investitions- und Planungsphase mit
Freistaat und Bund, die Einrichtung künftig zu betreiben und zu
finanzieren, ist es nun endlich gelungen, eine lange Ungewissheit
auszuräumen: "Unter der Voraussetzung, dass der Bund sich entsprechend
beteiligt, hat der Freistaat eine Drittelfinanzierung der Investition
zugesagt. Damit hat nun auch die Stadt München Planungssicherheit und
kann alle weiteren notwendigen Projektschritte einleiten. Das Jahr 2005
ist ein echtes Erfolgsjahr für das NS-Dokumentationszentrum", so
Kulturreferentin Lydia Hartl.
Auch in der schwierigen Standortfrage kam 2005 der Durchbruch: Nach
einer langen Phase der Unsicherheit hat der Freistaat nun zugesagt, das
Areal des sogenannten "Braunen Hauses" (Ecke Arcis- /Brienner Straße),
der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP, zur Verfügung zu stellen. Eine
archäologische Befundung des Geländes ist für nächstes Frühjahr
geplant. Damit können die Planungen endlich konkretisiert werden. Dem
wissenschaftlichen Beirat ist es dadurch möglich, seine konzeptionellen
Überlegungen direkt auf diesen Ort und sein historisches Umfeld zu
beziehen.
Auch die zügige und ergebnisorientierte Aufnahme der Gremienarbeit
im Jahr 2005 ist als großer Erfolg zu werten: "In Anbetracht dessen,
dass sich die Gremien erst im März bzw. Juli dieses Jahres konstituiert
haben, ist es eine enorme Leistung", so Kulturreferentin Lydia Hartl,
"dass alle Gremien sich bereits mehrfach getroffen haben und sehr zügig
vorankommen." Dabei ist die Arbeit, so die Kulturreferentin, von einer
Atmosphäre der Kollegialität geprägt, die für die anstehenden
Projektplanungen nur das Beste erhoffen lasse.
Der wissenschaftliche Beirat soll dem Kuratorium im Laufe des
kommenden Jahres eine erste Konzeption vorlegen, auf deren Grundlage
dann die Bauplanungen gestartet, ein Finanzierungsplan erarbeitet und
ein Antrag beim Bund eingereicht werden kann. Allein bis Anfang März
hat der Beirat drei weitere Beratungstermine angesetzt: "Die Wahl des
Beirats im März 2005, die Konstitutierung des Gremiums im Juli 2005,
sechs Sitzungen bis März 2006 – das hätten wir nach dem langen
Vorabstimmungsprozess bis vor kurzem kaum zu hoffen gewagt!", so die
Kulturreferentin.
Für die Landeshauptstadt München betreut das Kulturreferat die
Planung der Einrichtung. Seit 2003 stellt der Stadtrat umfangreiche
Sach- und Personalmittel bereit, um das Projekt zu fördern und zu
begleiten. Im Kulturreferat werden alle erforderlichen Maßnahmen
erarbeitet, die Gremienarbeit vorbereitet, koordiniert und betreut,
aber auch umfangreich inhaltliche Zuarbeiten geleistet, die im
Zusammenhang mit dem künftigen Dokumentationszentrum stehen. Zudem
unterstützt das Kulturreferat das Projekt NS-Dokumentationszentrum mit
zahlreichen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Im Jahr 2005 wurde
beispielsweise die Gesprächsreihe "Der Umgang mit der NS-Zeit –
Perspektiven des Erinnerns" veranstaltet. Viele Bürgerinnen und Bürger
nutzten dieses Diskussionsforum, um sich zusammen mit Experten aus ganz
Deutschland eingehend über die erinnerungspolitischen Rahmenbedingungen
und pädagogische Notwendigkeiten Gedanken zu machen, die für das
NS-Dokumentationszentrum prägend sein werden. Höhepunkt der
Gesprächsreihe war eine Kooperationstagung mit dem Jugendgästehaus in
Dachau und dem Fritz Bauer Institut / Frankfurt a.M. im November. Eine
Dokumentation der Tagung wird in Kürze vorliegen. Zur
Auseinandersetzung mit der historischen Topographie bereitet das
Kulturreferat zusammen mit dem Stadtarchiv momentan eine Broschüre vor,
die die Geschichte des Nationalsozialismus in München anhand eines
Rundgangs durch die Innenstadt und das ehemaliges Parteiviertel
nachvollziehbar macht.
Auf der Internetseite des Kulturreferats stehen zum NS-Dokumentationszentrum ausführliche Informationen zur Verfügung ( www.muenchen.de/Rathaus/133954/). Darüber hinaus ist ein eigenständiger Internetauftritt in Vorbereitung, der gemeinsam von Stadt und Freistaat bereit gestellt und vom Kulturreferat betreut wird. Dort werden für die Öffentlichkeit unter einer zentralen Adresse alle wichtigen Informationen zum Thema NS-Dokumentationszentrum, aber auch zum Thema "München und der Nationalsozialismus" zugänglich sein. Das Kuratorium hat zusammen mit den Sprechern vom wissenschaftlichen und politischen Beirat bereits einen ersten konzeptionellen Entwurf beraten und verabschiedet.
Kulturreferentin Lydia Hartl: "In Anbetracht all dieser positiven Entwicklungen scheint mir eine weitere ehrgeizige Zielsetzung zunehmend realisierbar - die Planung der Grundsteinlegung für das NS-Dokumentationszentrum zum 850sten Geburtstag der Landeshauptstadt München im Jahr 2008!"
Bei Fragen steht Ihnen die Pressestelle des Kulturreferats, Tel. (089) 233-26005, presse.kulturreferat@muenchen.de, zur Verfügung.

