Ein NS-Dokumentationszentrum in München
Auf Initiative der amerikanischen Militärregierung wurden nach der Befreiung zunächst umgehend nationalsozialistische Herrschaftssymbole wie Hakenkreuz und Reichsadler beseitigt. Die noch erhaltenen NS-Gebäude wurden einer neuen Nutzung zugeführt. Die Sprengung der "Ehrentempel" am Königsplatz 1947 verschärfte die Debatten über einen angemessenen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.
Bereits seit Kriegsende gibt es Überlegungen, in München eine Erinnerungs- und Bildungsstätte für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu errichten. 1989 regte der Münchner Stadtrat an, auf dem Gelände des "Braunen Hauses", dem ehemaligen Sitz der Reichsleitung der NSDAP, in zentraler innerstädtischer Lage am Königsplatz ein "Haus der Zeitgeschichte" zu erbauen. Die Planungen wurden jedoch nicht weiter verfolgt.
Seit Beginn der 1990er Jahre hat die Stadt München die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus mit Ausstellungen und Veranstaltungsprogrammen intensiviert. Sie unterstützt dazu insbesondere die Erinnerungsarbeit vor Ort sowie bürgerschaftliche Initiativen. Seit 2003 gibt es im Stadtmuseum eine eigene Abteilung zu den stadtgeschichtlichen Aspekten im Nationalsozialismus; von Juni 2008 an werden im Rahmen der neuen Dauerausstellung auch Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus in München thematisiert werden.
Im Jahr 2001 fasste die Landeshauptstadt München den Grundsatzbeschluss, ein NS-Dokumentationszentrum zu realisieren. Der Freistaat Bayern folgte mit seiner Entscheidung ein halbes Jahr später. Unter Beteiligung der Bürgerschaft fanden seitdem vier Symposien statt. Der Münchner Stadtrat stellt seit 2003 umfangreiche Mittel bereit, um das Projekt zu fördern und zu begleiten. Seit 2005 arbeiten drei vorbereitende Fachgremien (Kuratorium, wissenschaftlicher und politischer Beirat) sowie das wissenschaftliche Team des Kulturreferats intensiv an der Vorbereitung und Einrichtung des NS-Dokumentationszentrums.
Als Standort für das NS-Dokumentationszentrum stellte der Freistaat Bayern Ende 2005 das Gelände des ehemaligen "Braunen Hauses" zur Verfügung. 2011 wird mit dem Neubau des NS-Dokumentationszentrums begonnen.
Damit wird ein zentraler Lern- und Erinnerungsort entstehen, der als Teil eines bundesweiten Netzwerks die Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Nachwirkungen des Nationalsozialismus fördern und eine zukunftsorientierte historisch-politische Bildungsarbeit am historischen Ort ermöglichen wird. Es wird dabei eine zentrale Aufgabe sein, die Topographie des ehemaligen Parteiviertels im Umfeld des Königsplatzes in die Konzeption und Arbeit des NS-Dokumentationszentrums einzubeziehen.

