Nationalsozialismus in München
Der Nationalsozialismus nahm in München seinen Anfang. 1919 gründeten Anton Drexler und Karl Harrer hier die Deutsche Arbeiterpartei (DAP). Adolf Hitler trat noch im selben Jahr bei. 1920 erfolgte die Umbenennung in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). München war in den 1920er Jahren ein Zentrum antidemokratischer Kräfte, in dem völkisches Gedankengut, Verlangen nach Autorität und Ressentiments gegen alles Moderne besonders weit verbreitet waren. Die Propaganda der NSDAP fiel in München daher auf einen fruchtbaren Boden. Die Partei wurde zum Sammelbecken rechtsextremer Kräfte. Kulturelle wie finanzielle Unterstützung erhielt sie auch aus Kreisen des gehobenen Bürgertums.
Am 9. November 1923 scheiterte ein Putsch militanter und antisemitischer Kräfte unter der Führung Adolf Hitlers. Dennoch gewannen die Nationalsozialisten, auch durch das milde Urteil der bayerischen Justiz im Verfahren gegen Hitler und seine Anhänger, erheblich an Popularität. Hitler wurde zum Hoffnungsträger einer "nationalen Erhebung". Die Festungshaft in Landsberg nutzte er, um sein Buch "Mein Kampf" zu schreiben. Nach Aufhebung des Parteiverbots 1925 blieb die NSDAP gleichwohl zunächst eine Splitterpartei. Vorrangiges Ziel war nun der Aufbau einer überregionalen Parteistruktur mit dem Organisationszentrum in München.
Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 hatte die Stadt eine herausragende Funktion bei der Organisation und Selbstinszenierung des NS-Regimes. Hitler verlieh München die Beinamen "Hauptstadt der Deutschen Kunst" (1933) und "Hauptstadt der Bewegung" (1935). Im neuen "Haus der Deutschen Kunst" wurde von 1937 an ein rückwärtsgewandter Kunstbegriff idealisiert. Moderne Künstler wurden in der Ausstellung "Entartete Kunst" diffamiert. Um den Königsplatz herum entstand ein weitläufiges Verwaltungsviertel mit Zentralbehörden und Nebenstellen der Partei. Die Stadt diente bei Aufmärschen und pseudoreligiösen Kultfeiern als Kulisse für die Selbstdarstellung des Regimes. Das "Münchner Abkommen" vom 29. September 1938 machte München zudem zum Schauplatz der aggressiven Außenpolitik NS-Deutschlands. Es bestimmte ohne Beteiligung des betroffenen Staates die umgehende Abtretung des Sudetenlandes durch die Tschechoslowakei an das Deutsche Reich.
Die Stadt spielte für die Errichtung des nationalsozialistischen Systems der Konzentrationslager eine wichtige Rolle: Bereits im März 1933 wurde vor ihren Toren in Dachau eines der ersten Konzentrationslager in Deutschland errichtet. Es diente als Modell für alle weiteren Lager bis hin zum Vernichtungslager von Auschwitz. Im Saal des Alten Rathauses gab Joseph Goebbels den Anstoß zur Reichspogromnacht am 9. November 1938. Die Entrechtung, Enteignung, Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands erreichten damit einen neuen Höhepunkt, dem die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas folgen sollte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde München zu einem Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie. Um die Produktion aufrecht zu erhalten, wurden mehr als 40.000 ausländische Zwangsarbeiter – davon etwa ein Drittel Frauen – eingesetzt. Sie wurden in Barackensiedlungen untergebracht, die zum Teil Außenlager des Konzentrationslagers Dachau waren.
Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Soldaten das KZ Dachau. Einen Tag später besetzten sie München. Die Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 besiegelte schließlich das Ende des NS-Regimes. München glich zu diesem Zeitpunkt einem Trümmerhaufen. Die Luftangriffe der Alliierten hatten 90 Prozent der Altstadt zerstört und 300.000 Einwohner obdachlos gemacht. Nach Kriegsende sammelten sich viele ehemalige KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Flüchtlinge in München. Nur wenige Juden hatten die Vernichtungslager überlebt: Hatte die jüdische Gemeinde vor 1933 12.000 Mitglieder umfasst, zählte sie Ende 1945 nur noch 300 Mitglieder. Die Opfer des NS-Terrors suchten mühsam einen Weg zurück zur "Normalität", was angesichts des erfahrenen Leids und der chaotischen Verhältnisse jedoch kaum möglich war. Das NS-Regime wirkte nach 1945 bei den Menschen ganz unterschiedlich nach – je nachdem, wie es erlebt, überlebt oder mitgestaltet worden war.
Siehe weiterführend: ThemenGeschichtsPfad "Der Nationalsozialismus in München"

